„Und dann kam erstmal kein einziger Mensch in meine Goldschmiedegalerie“

Goldschmiedegalerie auf Usedom

Jetzt klopft der NDR bereits zum zweiten Mal bei Rebecca Grob in Heringsdorf auf Usedom an

Rebeccas neue Heimat auf Usedom
„Ich wollte mehr davon“ – Die Insel Usedom hat es Rebecca angetan (Foto von Henry Böhm)

Rebecca wusste schon immer, dass sie etwas mit den Händen schaffen möchte. Die zierliche 42-jährige strahlt, wenn sie über ihre Arbeit als Goldschmiedin spricht. Seit 2009 lebt die gebürtige Nordhornerin auf Usedom und ist in ihrer Goldschmiedegalerie ihr eigener Chef. Der NDR hat inzwischen zum zweiten Mal bei ihr angeklopft, denn mit ihrer Kollektion der Bäderarchitektur hat sie sich einen Namen gemacht. Sie fertigt Einzelstücke für Kunden von Flensburg bis ins tiefste Bayern. Auch in Österreich und in der Schweiz hat sie bereits Stammkunden. In einem Interview erzählt sie mir, wie sie sich ihren Traum verwirklicht hat.

Rebecca, du kommst ursprünglich aus Nordhorn. Wie hat es dich nach Usedom verschlagen?

Nach meiner Ausbildung in Osnabrück und der Meisterschule in Münster, hat es mich über Braunfels nach Kiel verschlagen. Ich war immer angestellt bei Goldschmieden und Juwelieren und habe viel im Hintergrund im stillen Kämmerlein in der Werkstatt gearbeitet. Der Wunsch im Kontakt mit den Menschen zu sein, die meinen Schmuck tragen, wurde immer größer. Ich habe einen Hotelier von Usedom kennengelernt, der mich eines Tages gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte meine eigenen Schmuckstücke bei ihm auszustellen. Und von da an ist mein Weg in die Selbständigkeit langsam gewachsen. Je häufiger ich auf Usedom war, desto mehr spürte ich, dass mir diese Insel gut tut. Ich wollte mehr davon.

Ich wurde bereits im Hotel von vielen Gästen und Einheimischen angesprochen, ob ich ein Geschäft auf Usedom habe. Das hat mich bestätigt, den Schritt zu wagen.

Gab es nicht schon viel Konkurrenz auf Usedom?

Das habe ich mir auch gedacht. Ich habe regelrecht recherchiert, welche Mitbewerber es auf Usedom geben würde. Es gab niemanden, der eine eigene Goldschmiedewerkstatt führte. Selbst Reparaturen an Ringen oder anderen Schmuckstücken, konnte keiner auf der Insel durchführen. Ich war sehr überrascht, warum vor mir noch keiner auf die Idee gekommen ist, sich hier selbständig zu machen. Die Zielgruppe auf Usedom ist ideal für eine Goldschmiedin. In Heringsdorf habe ich dann eine Immobilie in zweiter Reihe gefunden. Die Toplage konnte ich mir nicht leisten. Ich habe auf 60 m² gearbeitet und gelebt. 40 m² blieben für die Werkstatt und meine „Ausstellung“ und 20 m² für mich zum leben und wohnen. Und dann war ich selbständig und es kam kein Mensch. Das fühlte sich nicht gut an.

Inzwischen ist der NDR auf dich aufmerksam geworden und du hast jede Menge Aufträge. Was ist passiert?

Ich habe eine ganz besondere Kollektion, die Elemente der Bäderarchitektur aufnimmt. Usedom ist bekannt für ihre historischen Bauwerke. Jedes Haus sieht anders aus und ich fand jedes auf seine Art hübsch. Beim Einkaufen ist mir ein Ornament auf einer sehr heruntergekommenen Villa ins Auge gestochen, das mich nicht mehr losgelassen hat. Ich habe diesen Ausschnitt fotografiert, ausgedruckt und Zeichnungen gemacht. Ohrringe und ein Armband waren die ersten Stücke, die Elemente aus diesem Ornament enthielten. Diese Stücke habe ich ins Schaufenster gelegt. Eine Woche später kamen zwei Kunden, die sich sofort in das Armband verliebt haben. Sie waren so begeistert, dass sie einen Ring mit dem Element bei mir in Auftrag gegeben haben. Von da an stand fest, diese Kollektion erweitere ich. Es ist verrückt, aber sowohl Frauen als auch Männer sind fasziniert von diesem Schmuck und das aus jeder Altersklasse. Meine Kunden sind zwischen 20 und 70 Jahre jung. Der NDR berichtet im September im Rahmen der „Woche der Bäderarchitektur“ über Usedom. Da bin ich natürlich mit von der Partie.

Was ist nach deinem ersten Fernsehbeitrag passiert?

Es war unglaublich. In der ersten halben Stunde nach der Landpartie mit Heike Götz über Usedom, hatte ich bereits fünf Anrufe und einige E-Mails mit Kundenanfragen. Insgesamt hielt der Hype um meine Kollektion wegen des NDR-Beitrags eineinhalb Jahren an. Die Kunden begannen teilweise bei mir am Laden an die Scheiben zu klopfen, wenn sie mich gesehen haben, obwohl ich geschlossen hatte. Ich konnte mich ja nicht zurückziehen auf meinen 60m². Es gab sogar Kunden, die in meinem Geschäft laut über mich statt mit mir gesprochen haben. So nach dem Motto „Die war im NDR“. Daran kann ich mich nicht gewöhnen. Das finde ich komisch. Ich komme mir dann wie ein Affe im Zoo vor. Seit 2016 lebe ich allerdings nicht mehr im Geschäft, sondern bin mit meinem Partner in ein Haus eingezogen. Jetzt kann ich mich zurückziehen und nach der Arbeit nach Hause fahren. Das ist schön.

Deine Schmuckstücke sind Unikate und entsprechend hoch sind auch die Preise. Meine nächste Frage ist etwas provokant. Wie ist es für dich, etwas zu verkaufen, was du dir selbst nicht leisten könntest?

Diese Frage ist interessant. Es stimmt, ich verdiene als Goldschmiedin gerade genug, um zu leben. Ich selbst könnte mir einige meiner Schmuckstücke nicht kaufen. Ich schaue mir gerne schöne Dinge an und beschäftige mit zwangsläufig mit hochwertigen und teuren Produkten, die für mich unerschwinglich sind. Aber ich will sie mir auch nicht kaufen. Ich erfreue mich an der Schönheit der Dinge ohne sie besitzen zu wollen.

Wie fühlt es sich für dich an, wenn ein Schmuckstück deine Galerie verlässt, das du mit viel Arbeit und Liebe zum Detail gefertigt hast?

Für mich ist es so, als würde ich meine Babys alle weggeben. Es ist immer wieder ein Teil von mir, das meine Galerie verlässt. Es tut manchmal sogar ein bisschen weh. Bei meinen Kunden bin ich mir aber sicher, dass sie in ein gutes Zuhause kommen und mit Liebe getragen werden. Das ist das Schöne daran. Wenn ich mich nicht trennen würde von meinen Schmuckstücken, könnte nichts Neues entstehen. Diese Form des Loslassens weiß ich sehr zu schätzen. Jedes Einzelstück, das ich erschaffe, bringt mich wieder ein Stück weiter. Und ich bin längst noch nicht angekommen.

Meinst du denn, dass du irgendwann ankommen wirst?

Nein, das stimmt. Eigentlich werde ich nie ankommen. Es ist ein stetiger Prozess, der nie endet. Alles entwickelt sich weiter. Aber ich habe Hunger auf was Neues. Ich liebe meine Bäderarchitektur, aber ich möchte neue Projekte angehen. Allerdings lässt die Auftragslage es zur Zeit nicht zu, was ja auch gut für mich ist.

Was sind denn neue Projekte, die du angehen möchtest?

Ich möchte Vorsteckringe für meine Kunden anfertigen. Es gibt zum Beispiel den wunderschönen Brauch der Morgengabe, da bekommt die Braut am Morgen nach der Hochzeit ein Geschenk vom Bräutigam. Da wäre ein Vorsteckring ein sehr besonderes Zeichen. Es gibt auch viele andere Anlässe, solch einen Ring seiner Frau zu schenken. Zum Beispiel zum Hochzeitstag oder zur Geburt eines Kindes. Das ist ein Projekt, auf das ich Lust habe und schon Bilder in einem Kopf entstehen.

Gibt es ein Schmuckstück, das du nur für dich gemacht hast?

Da muss ich jetzt wirklich überlegen. Doch, ich habe einen Ring für mich gemacht, der schon eine Weiterentwicklung meiner ursprünglichen Bäderarchitektur-Kollektion ist. Denn er ist nicht mehr nur aus einem Material, sondern verbindet Weißgold, Silber und Gelbgold miteinander und die Elemente erscheinen dreidimensional. Dieser Ring wird meinen Finger nicht verlassen.

Dein Partner Henry Böhm ist ebenfalls selbständig als Fotograf. Er hat z. B. gerade ein Fotobuch für die Hosentasche „Usedom meine Insel“ herausgebracht. Könntet ihr euch vorstellen gemeinsam Kinder zu haben und weiterhin euren Traum zu leben?

Also, ich bin mit dem Thema „Kinder“ irgendwie durch. Freue mich über meine beiden Nichten, kann mir aber nur schwer vorstellen selber zu Elternabenden oder Elternbastelnachmittagen in den Kindergarten zu gehen. Mein Leben ist gut so, wie es ist. Ich liebe meine Freiheit. Henry hat 4 Kinder und ist 3facher Großvater. Er hat schon vor mir entschieden, dass es für ihn ausreicht. Die „Familie“ ist groß genug- wenn ich Lust auf Kinder habe, sind welche da- und dankbare Eltern auch.

Danke für deine Zeit und viel Spaß beim Dreh mit NDR am 30. August. Wann wird die Sendung ausgestrahlt?

Am 8. September im Nordmagazin um 19.30 Uhr. In der Mediathek kannst du ihn dir aber auch im Nachhinein anschauen. Mir ist schon ein bisschen mulmig, wenn ich daran denke. Nach dem Ansturm der letzten Sendung, bin ich sehr gespannt auf die Reaktion.


Mehr über die Goldschmiedegalerie Rebecca Grob

www.goldschmiedegalerie-usedom.de

Die Goldschmiedegalerie auf Facebook

Am 8. September um 18 Uhr Nordmagazin auf NDR einschalten

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Verfasst von

Leidenschaftliche Bloggerin, Texterin und interessiert an Online-Marketing mit Schwerpunkt Content und Storytelling. Auf meinem Blog Mamacheck.de veröffentliche ich spannende Geschichten über starke Frauen.

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