Gibt´s im Himmel auch Spaghetti?

Mit Kindern übers Sterben reden

In der letzten Zeit spricht mich mein fünfjähriger Sohn oft auf das Thema „Sterben“ an. Er hat Angst vorm Einschlafen.  Puh, wie soll ich das bloß erklären? Ist er mit fünf Jahren nicht noch viel zu klein für das Thema? Oder ist mir das Thema unangenehm, weil es mir selbst ein wenig Angst macht? Wer denkt schon gerne ans Sterben?

Ich überlege, was ihn veranlasst darüber nachzudenken. Es fällt mir nichts ein.  Eines ist mir aber klar: Ich werde dem Thema nicht ausweichen, sondern versuchen, ihm Antworten zu geben. Deshalb habe ich zuerst eine gute Freundin angerufen. Sie ist Pastorin in Göttingen und hat doch bestimmt eine Antwort. Auf die Frage, wie sie sich dem Thema nähern würde, hat sie mir eine tolle Website www.kinder-und-trauer.de empfohlen.

Auf dieser Seite findest du zum Beispiel einen tollen Elternleitfaden. Wenn z.B. einer der Großeltern gestorben ist. Sollte man das Kind mitnehmen zur Beerdigung oder lieber nicht? Was soll ich denn sagen, woran Oma gestorben ist, ohne dass ich meinem Kind Angst mache? Auch schöne Malvorlagen zu dem Thema gibt es als Download.

Ich möchte dir Detlef Bongartz vorstellen. Er ist professioneller Kindertrauerbegleiter. Ich habe ein Interview mit ihm gefunden, das ich an dieser Stelle veröffentlichen möchte. Es gibt ein Kindergartenprojekt „Gibt´s im Himmel auch Spaghetti?“ über das er hier spricht. Vielleicht wäre das ein Thema für eure nächste Elternratssitzung in der Kita, das ihr vorschlagen könntet.

Am Ende dieses Beitrags findest du auch noch eine Buchempfehlung zu dem Thema und einen Link zu einem weiteren Interview mit Detlef Bongartz. 


Beginn des Pressetextes und Interviews mit Detlef Bongartz

Als professioneller Kindertrauerbegleiter ist sein Rat nicht nur in der täglichen Arbeit mit Kindern und Eltern gefragt, sondern auch als kompetenter Experte bei Vorträgen, Seminaren sowie Radio- und Fernsehauftritten. Mit seiner Ausbildung als Heilpädagoge, Gestalttherapeut und Supervisor steht er Kindern und Eltern in den schwersten Situationen des Lebens zur Seite. Auch das Kindergartenprojekt „Gibt’s im Himmel auch Spaghetti?“ der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen-Anhalt GmbH begleitete Detlef Bongartz mit seinem Expertenrat.

Herr Bongartz, warum sind „Tod und Trauer“ in unserer Gesellschaft so stark tabuisiert?

Sicherlich hat dies damit zu tun, dass der Prozess der Trauer und die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit Empfindungen auslösen, die kein Mensch gerne fühlen möchte. Menschen haben oft die Tendenz unangenehme Gefühle vermeiden zu wollen, bemerken aber nicht, dass sie einer Täuschung unterliegen. Verdrängte Gefühle haben eine unbeschreibliche „Lebenskraft“. Sie wirken, ob man will oder nicht, und zeigen sich, wenn sie keinen angemessenen Ausdruck finden z.B. auch durch psychosomatische Erscheinungsbilder.

Ist es nicht sinnvoll, Kinder von diesen Themen noch fernzuhalten?

Hierauf kann ich nur mit einem klaren „Nein“ antworten. Als Vater kann ich gut verstehen, dass Eltern oder vertraute Bezugspersonen ihre Kinder vor all dem, was sich nicht gut anfühlt, schützen wollen. Aber genau das geht nicht. Wir können unseren Kindern keine Illusionen vorleben, sondern wir sind in der Verantwortung, sie auf dem Weg ihrer eigenen, heilsamen Menschwerdung zu begleiten, d.h. wir müssen ihnen vorleben und ihnen dabei helfen, wie mit unangenehmen Gefühlen offen und angemessen umzugehen ist.

Warum gehören „Tod und Trauer“ als Projektthemen auch in den Kindergarten?

Tod und Trauer sind ganz normale Themen unseres Lebens. Es gibt keinen Grund, diese Normalität zu umgehen. Kinder sind emotionale Wesen, die notwendigerweise klare und sichere Resonanz zu ihrem Dasein von ihrem Umfeld brauchen. Nur so wachsen sie in einem wertvollen Urvertrauen zu sich und anderen Menschen auf, lernen ihr Leben selbstbewusst und mit klarer Orientierung zu gestalten. Spart man hierbei bestimmte Gefühlsdimensionen aus, so sind sie verwirrt und verunsichert, da sie eine hohe Sensibilität besitzen für das, was nicht stimmig ist. Die Kindergartenzeit ist zudem eine wichtige Lebensstation, in der der Boden für eine gesunde Entwicklung des Kindes mit bereitet wird. Es versteht sich von selbst, dass es sinn- und wertvoll ist, auch hier die Themen Tod und Trauer anzusprechen und in Form eines Projektes zu gestalten.

Sind die Kindergartenkinder nicht noch zu jung für die Themen „Tod und Trauer“

Nein, absolut nicht. Kinder bis etwa sieben Jahren haben zwar noch keine Vorstellung von der Bedeutung der Endgültigkeit (des Todes), aber sie spüren und erleben auch schon in jungen Jahren, die Gefühlsdimensionen von Verlust und Abschied (z.B. der Tod der Großeltern, eines Haustieres oder auch ein Umzug, der den mitunter schmerzhaften Abschied von Freunden bedeutet). Es ist nur sehr wichtig darauf zu achten, dass das Thema „Tod“ den Kindern entwicklungsgerecht vermittelt wird, z.B. spielerisch, durch Lesen eines thematisch passenden Bilderbuches, durch Rollenspiele mit Handpuppen, durch freies Malen und erzählen.

Was können die Kinder durch ein solches Projekt lernen?

Die Kinder lernen durch die Projekte, dass die Themen „Tod und Trauer“ zum ganz normalen Leben dazu gehören. Die Natürlichkeit „alle“ Gefühle zuzulassen und auszudrücken zu dürfen, stärkt das Kind in seinem Selbstvertrauen und in seinem Selbstbewusstsein. Das Kind braucht hierbei aber auch authentische Vorbilder, klare und ehrliche Resonanz, um sich zu orientieren und um seine eigene Gefühlswelt immer wieder zu überprüfen. Durch ein Trauerprojekt lernen die Kinder aber auch sich in einer größeren Gemeinschaft auszutauschen und sich getragen zu fühlen, durch gleiche oder ähnliche Erfahrungen anderer Kinder und Erwachsener. So wird auch ihre soziale Kompetenz erweitert und gestärkt. Kinder, die offene und ehrliche Begleitung erfahren, sind in der Regel dem Leben positiv und vertrauensvoll zugewandt und zeigen eine hohe Sensibilität für Gefühle anderer Menschen.

Wie bewerten Sie das Projekt „Gibt´s im Himmel auch Spaghetti“?

Zuerst einmal möchte ich zu dem Projekt ganz herzlich gratulieren. Es wurde mit so viel Herz und Einfühlungsvermögen geplant, gestaltet und durchgeführt, dass es den Seelen der Kinder, um die es ja geht, im tiefsten Sinne würdig ist. Auch die Bereitschaft der drei „Projekt-Kindergärten“ sich engagiert und kompetent auf dieses oft noch so tabuisierte Thema einzulassen, ist bemerkenswert und verdient Anerkennung.

Das Projekt ist sensibel recherchiert und zeigt Erfahrungen auf, die für alle Einrichtungen, die mit Kindern arbeiten, sehr hilfreich sind. Was mir gut gefällt, ist die Tatsache, dass nicht nur Ergebnisse beschrieben werden, sondern auch der Weg dorthin. Da ich schon seit einigen Jahren im Bereich der Kindertrauerbegleitung tätig und immer auf der Suche nach guter Literatur bin, weiß ich, dass es nur wenig lesenswerte Bücher zu diesem Thema gibt. Es freut mich daher sehr, dass bei der Verschriftlichung des Projektes, die lebendigen, praktischen und gut umsetzbaren Anteile der gemachten Erfahrungen so „fühlbar“ beschrieben wurden. Die Verbindung der theoretischen Ansätze mit den praktischen Anteilen ist richtig gut gelungen.

Das Projekt unterstützt die Kinder bei der Entwicklung ihres Selbstbewusstseins und ihres Selbstvertrauens. So kann ich wirklich jeder Einrichtung mit einem guten Gefühl empfehlen, auf diesen Leitfaden und die erlebten Erfahrungen des Projektes zurück zu greifen.

Herr Bongartz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Kontaktadresse:
Detlef Bongartz (Diplom-Heilpädagoge)
Leiter des Institutes Merlinos – Lehre und Begleitung der kindlichen Seele
detlef.bongartz@merlinos.de
Telefon: 0 21 31 / 38 62 803


Ende des Pressetextes

Weiteres Interview mit Detlef Bongartz

Buchempfehlung

Wie geht ihr mit dem Thema „Sterben“ um? Ist es in eurer Familie ein Tabuthema oder sprecht ihr darüber? Hinterlasst doch gerne einen Kommentar.

Verfasst von

Leidenschaftliche Bloggerin, Texterin und interessiert an Online-Marketing mit Schwerpunkt Content und Storytelling. Auf meinem Blog Mamacheck.de veröffentliche ich spannende Geschichten über starke Frauen.

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