Gibt es eigentlich einen Männerbeauftragten?

Wenn Männer belästigt werden

Wie komme ich auf diese Frage? Gerne nehme ich dich ein Stück mit in meine Gedankenwelt.

Mit zwei Freundinnen habe ich die Show „Boybands forever“ in Münster besucht. Eine Reise in die Vergangenheit. Aber nicht die wirklich fantastisch gute Musik ist mir am Ende im Gedächtnis geblieben, sondern folgende Szene:

Am Ende der Show dürfen die Zuschauer von den Plätzen aufstehen und wie die Groupies zu den alten Zeiten direkt an die Bühne. Von mir aus können sie ja kreischen, die Jungs mit Kuscheltieren bewerfen oder einfach rufen „Ich will ein Kind von dir“…Das ist ja noch irgendwie auszuhalten und „lustig“.

Aber was sich dann abspielte, fand ich gar nicht witzig

Einer der Jungs (bitte beachte, es sind im Prinzip noch Kinder im Alter von 22 Jahren) sitzt singend lässig vorne auf der Bühnentreppe. Eine Frau im schwarzen engen Kleid schwebt auf ihn zu (ich fange schon an zu schwitzen und denke nur „Nein, das macht sie jetzt nicht…“) und drückt wirklich ihren gesamten Körper gegen diesen Jungen. Er hängt quasi mit seiner Nase in ihrem Dekolleté. Sie drängt sich dann an ihm vorbei auf die Bühne. Hat sie vielleicht vorher „A Star is born“ im Kino gesehen? Mein Puls steigt und ich möchte sie am liebsten von der Bühne und aus meinem Hirn beamen.

Ein anderes Bandmitglieder kommt zur Hilfe und schiebt diese Dame sanft von der Bühne. Und ich denk nur: Was war das denn?

Was hätten wir über einen Mann geschimpft

Stellen wir uns die Szene doch mal im Rollentausch der Geschlechter an. Eine Sängerin sitzt auf der Bühne und ein männlicher Fan drückt seine Genetalien in ihr Gesicht…Was würde für ein Aufschrei durch die Menge gehen? Ich höre schon #metoo und Belästigung.

In den nächsten Tagen stelle ich mir immer wieder die Frage, wann sich Männer eigentlich belästigt fühlen von uns Frauen? Ist es ok, wenn wir zu einem männlichen Kollegen sagen, dass er heute besonders gut aussieht in seinem neuen Hemd? Ist es ok, wenn wir unseren Arm auf seine Schulter legen? Und gibt es nicht auch Männer, die unter der Gewalt von Frauen leiden? An wen wenden sich die Männer in so einem Fall?

Seit ich das Buch „Die potente Frau“ gelesen habe, fällt mir auf, dass ich etwas sensibilisiert bin, was die Meinung über Potenz von Männern und Frauen angeht. Die gesamte #metoo-Debatte drängt uns Frauen wieder in die Opferrolle. Die Frauenquote macht das ganze Problem auch nur noch größer und unterstreicht die allgemein hingenommenen angeblichen Schwächen von uns Frauen.

Wenn wir an Gleichtstellungsbeauftragte denken, dann denken wir doch im ersten Moment nur an die Gleichstellung der Frau und nicht an den Mann, oder?

Und dann habe ich mir die Frage gestellt: Wenn es Frauenbeauftragte gibt, gibt es dann auch Männerbeauftragte?

Bei Wikipedia finde ich kein Ergebnis für „Männerbeauftragte/r“. Von Google erfahre ich, dass es in Nürnberg mit Matthias Becker den ersten Gleichstellungsbeauftragten gibt und dieser Anfragen aus ganz Deutschland bekommt. Gebe ich bei Wikipedia hingegen „Frauenbeauftragte“ ein, dann bekomme ich den Verweis auf Gleichstellungsbeauftragte:

Eine Gleichstellungsbeauftragte (auch: Frauenbeauftragte, Beauftragte für Chancengleichheit, Frauenbüro, Gleichstellungsamt, Gleichstellungsstelle oder Frauenvertreterin) ist in der Bundesrepublik Deutschland eine Person oder eine Stelle innerhalb einer Behörde, einer sozialen Einrichtung, einer Gemeinde oder eines Unternehmens, die sich mit der Förderung und Durchsetzung der Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern befasst und für die jeweilige Institution oder das jeweilige Unternehmen interne Aufgaben wahrnimmt. In Städten, Gemeinden und Kreisverwaltungen kann die Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten auch dem Kommunalen Frauenbüro der Gebietskörperschaften zugeordnet werden, z. B. nach § 14 Abs. 1 Satz 3 Hessisches Gleichberechtigungsgesetz (HGlG).

In den Bundesverwaltungen ist diese Funktion gemäß § 19 BGleiG auf Frauen beschränkt. Dies gilt gemäß den jeweiligen Landesgleichstellungsgesetzen und kommunalen Verwaltungsordnungen[1] auch für die meisten kommunalen und Landesgleichstellungsbeauftragten.

Gleichberechtigung
Wenn Gleichberechtigung, dann auch bitte gleichermaßen für Mann und Frau.

Es sollte ein Umdenken stattfinden. Weg von der Rolle Frau oder Mann. Es hat sich in der Gesellschaft so viel getan. Längst sind es nicht mehr nur die Frauen, die zu Hause bei den Kindern bleiben. Elternzeit können Papa oder Mama nehmen. Warum ist es noch komisch, wenn Männer in Teilzeit gehen? Auch Männer werden belästigt, mißhandelt und geschlagen. Warum spricht darüber keiner?

Wenn du mehr über den einzigen Männerbeauftragen wissen willst, kannst du dir dieses Spiegel-Interview durchlesen.

Wie du siehst, beschäftigt mit das Thema und ich schreibe dies hier aus ganz persönlicher Sicht. Mit Sicherheit hast du auch etwas dazu zu sagen. Ich glaube, dass wir sehr viel diskutieren können. Ich freue mich über euren Beitrag zu dem Artikel. Was meint ihr dazu?

Verfasst von

Mein Name ist Eva List, aus Nordhorn, Mama von zwei tollen Jungs. Auf meinem Blog mamacheck geht es um starke Frauen. Beruflich bin ich Marketingbetriebswirtin und freiberufliche Texterin.

4 Kommentare zu „Gibt es eigentlich einen Männerbeauftragten?

  1. Als Mann kann ich Ihren Text nur zustimmen!

    Auch Männer sind Opfer von Attacken, Benachteiligungen und anderes. Bestimmt nicht in der der Anzahl wie bei Frauen, aber es gibt sie tatsächlich. Es ist daher auch notwendig, dass es auch Männerberatungsstellen gibt, die nicht nur den Schwerpunkt Täter, Gewalt und Langzeitarbeitslosigkeit zum Thema haben, sondern auch die Themen betreffen,die die stillen Männer betrifft und sie noch schweigsamer und sprachloser werden lassen.
    Wenn ich mir z.B. das Gleichstellungsbüro hier in dieser großen niedersächsischen Stadt anschaue, habe ich eher das Gefühl, dass es sich hier um eine weitere Frauenberatungsstelle handelt.
    Bitte denken Sie nicht, dass ich etwas gegen die Frauenberatungsstellen habe, ganz und gar nicht. Leider sind in unserer Zeit bestimmte Probleme, die seit Jahrzehnten bekannt sind, längst nicht abgearbeitet. Gleiche Misere mit den Frauenhäusern oder deren totale Überbelegung. Das ist eine schlimme Situation.
    Vor ein paar Jahren nahm ich an einer Fortbildung zum Thema Männer und Väter teil. Es kam die Frage auf, ob auch Frauen in Männerbüros (die es ja so gut wie gar nicht gibt) arbeiten sollten: es gab einige Teilnehmer, die sich strikt dagegen aussprachen. Ich denke aber, dass im Zuge der Gleichstellung und der Professionalität auch Frauen durchaus diese Tätigkeit machen können.
    Das Thema ist sehr umfangreich und beschäftigt mich schon seit Jahren, z. B. dass es keine Männerärzte gibt, Männerschutzhäuser oder auch der Umgang der Väter mit ihren Kindern nach Trennung und Scheidung.
    Und ja: es ist die Sache von uns Männern, dieses Thema voranzutreiben, in die Politik zu bringen, Initiativen zu gründen usw. Es gibt viel zu tun.
    Und das Schöne ist: so langsam kommt auch Bewegung in die Sache!

    Liken

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