Mama studiert auf Lehramt

Studium mit 37 Jahren, verheiratet, zwei Kindern

Steffi ist  37 Jahre und zweifache Mutter als sie sich entscheidet  ihren sicheren Job im öffentlichen Dienst aufzugeben und fünf Jahre Vollzeit auf Lehramt zu studieren. Ihre Stelle hat sie gekündigt, bevor sie die Zusage für den Studienplatz hatte. Als ich diese Geschichte von einer Freundin hörte, wollte ich mehr über diese mutige Frau wissen. Wie der Alltag einer Mama mit zwei Töchtern im Alter von 3 und 8 Jahren aussieht und woher sie den Mut für diesen Schritt genommen hat, lest ihr in diesem Beitrag.

Ihr Mann hat sie ermutigt

Ich bin bei Steffi zu Hause in ihrem Wohnzimmer. Ihre 3-jährige Tochter sitzt bei uns Mädels mit am Tisch und lauscht unserem Gespräch. Die Große ist beim Sport.

Steffi habe schon früher den Wunsch gehabt Grundschullehrerin zu werden.  Doch sie saß inzwischen fest im Sattel als Bankkauffrau. Ein sicherer Job im öffentlichen Dienst. Ihr Mann sei es gewesen, der ihr den Anstoß in Richtung Studium gegeben hat. „Du wolltest doch eigentlich nochmal was anderes machen?“ sagte er zu ihr.

Sie machte Nägel mit Köpfen. Nachdem sie zwei Infoveranstaltungen besucht, an zwei Grundschulen hospitiert und sich mit befreundeten Lehrern ausgetauscht hat, stand für sie fest, dass Sie den Schritt wagen wird. Aber erst nachdem sicher war, dass auch ihre Eltern mit im Boot sind. Denn für sie stehen die Kinder an erster Stelle. Neben ihrem Ehemann, der ihr den Rücken stärkt, sind  ihre Eltern wichtige Bezugspersonen für die Töchter der 37-jährigen. Ohne die zugesagte Unterstützung von Oma und Opa, hätte sich Steffi gegen das Studium entschieden.

Sie kündigte Ihren Job vor Studienplatz-Zusage

Also kündigt sie am 31. März ihren sicheren Job (sie hat ein halbes Jahr Kündigungsfrist) ohne zu wissen, ob sie den Studienplatz bekommt. Allerdings konnte sie inzwischen viele Wartesemester anrechnen, so dass es zu 99 % klappen sollte. Im Umfeld gab es überraschend wenig Gegenwind oder Skepsis. Lediglich eine Kollegin habe Bedenken geäußert. Eher seien anerkennende  Bemerkungen gekommen, wie zum Beispiel „Ich hätte mich das nicht getraut. Aber klasse, dass du das machst.“ Einen Plan B habe die zweifache Mutter nicht gehabt. Sie sei ein Bauchmensch und habe sich auf ihr Gefühl verlassen. Und wenn es nicht geklappt hätte, dann war sie sich sicher, dass sich schnell was anderes findet.

Da Steffi  Schwimmerin und insgesamt sehr sportlich ist, entscheidet sie sich neben Deutsch für das Fach Sport. Als wir miteinander sprechen, ist sie seit vier Wochen Studentin. Ihre Strecke ist fast ein kleiner Triathlon. Sie pendelt täglich mit Auto, Bahn und Fahrrad bis zur Uni Osnabrück. Im Zug kann sie noch einiges lesen und vorbereiten.

Strukturiert, diszipliniert und selbsbewusst

Sie ist extrem gut organisiert und strukturiert. Als sie am 15. Oktober das erste Mal zur Uni geht, hat sie schon die Wochen zuvor alles erledigt, was Erstsemester so zu erledigen haben. Sie hat sogar mit ihrer Familie vorab in der Mensa gegessen und ihnen die Uni gezeigt. Jetzt können ihre Mädchen verstehen, wovon Mama spricht und wo sie jeden Tag ist. Ihre Töchter kommen gut zurecht mit der neuen Situation und sehen ihre Mama wie bisher jeden Tag, bis auf Mittwoch. Das ist der einzige Tag, an dem Steffi morgens um halb sieben das Haus verlässt und erst um halb zehn abends wieder daheim ist. Das seien schon „Hammertage“ aber dafür hat sie freitags frei. 

Mama an der Uni
Steffi vor der Uni – sie hat sich gleich zurecht gefunden

Auf die Frage, mit welchem Gefühl sie am ersten Studientag aufgestanden ist sagt die 37-jährige „Ich wollte einfach, dass es losgeht. Vorfreude.“ In ihrem Semester ist sie nicht die einzige Mutter. Zwei weitere Studienkolleginnen sind über 30 Jahre und haben Kinder. Als Studienmuttis haben sich die drei gefunden und sind schon eine kleine Einheit geworden.

Zeit zu Zweit ist jetzt noch seltener

Ihr Mann und sie wissen, dass Sie während der Zeit des Studiums weniger Paarzeit zusammen haben. Sind die Kinder im Bett heißt es für Mama ran an den Schreibtisch. Steffi ist sehr diszipliniert und arbeitet jeden Abend den Unterricht nach und bereitet sich vor. Ich habe wirklich  Respekt davor, als ich das höre.

Abends an den Schreibtisch
Statt aufs Sofa geht es abends an den Schreibtisch

Finanziell muss die Familie den Gürtel enger schnallen. Sie leben zur Zeit vom monatlichen Einkommen ihres Mannes. Aber sie bemüht sich um ein Stipendium bei der Hans-Böckler-Stiftung.

Noch ist sie ganz am Anfang des Studiums und alles läuft nach Plan. Fünf Jahre können lang sein, aber das ist der Zweifachmama ganz klar. Sie und ihr Mann haben es sich abgewöhnt Pläne zu machen. Sie leben im Hier und Jetzt – und das Jetzt fühlt sich gut an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie die fünf Jahre durchzieht.

Für mich steht fest, dass dieser mutige Schritt wichtige persönliche Voraussetzungen mit sich bringt. Disziplin, Struktur, Selbstbewusstsein und eine positive Lebenseinstellung.

Es geht immer weiter – Schritt für Schritt

„Und wenn es doch nicht klappt, dann geht es auch weiter. Ich bin stolz, dass ich den Schritt gemacht habe. Und es geht immer irgendwie weiter. Hätte ich das jetzt nicht probiert, würde ich mich immer wieder fragen, wie es wohl ist, Grundschullehrerin zu sein.“ Das sagt Steffi am Ende unseres einstündigen Wohnzimmer-Gesprächs.

Ich ziehe meinen Hut und sage auch „Ich hätte mich das nicht getraut, aber ich finde es richtig toll, zu sehen, wie es funktionieren kann!“

Vielen Dank Steffi, dass du uns deine Geschichte erzählt hast.

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Verfasst von

Mein Name ist Eva List, aus Nordhorn, Mama von zwei tollen Jungs. Auf meinem Blog mamacheck geht es um starke Frauen. Beruflich bin ich Marketingbetriebswirtin und freiberufliche Texterin.

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